Bericht vom SND/DACH-Stammtisch in Berlin am 11. August

Karten in der Infografik

Weit über 30 Personen drängten sich im Konferenzraum Moskau, um Stefan Hartmann, Infografiker des Nachrichtenmagazins FOCUS, beim Kartenmachen über die Schulter zu sehen. Einige waren schon bei seinem letzten Vortrag vor fünfeinhalb Jahren dabei und sind gespannt auf die Fortsetzung. Stefan Hartmann weiß zwar nicht genau warum, aber er mag Karten und beim FOCUS lag der Schwerpunkt schon immer auf Karten, toller Optik und der Anwendung neuer Technologien – das passt wohl gut zusammen.

Als Erstes stellt er uns Karten vor, die er als Locator Maps bezeichnet. Sie zeigen, wo ein Ereignis stattfindet. Sie sind einfach und klar gehalten und kommen mit wenig Farben aus. Als Grundlage für solche Darstellungen hat er früher digitale Kartensammlungen, wie Geoatlas und Mountain High Maps verwendet. Heute verwendet er Daten von Natural Earth und OpenStreetMap. Diese Daten haben den Vorteil, dass sie kostenlos sind, ständig aktualisiert werden und wesentlich detailreicher sind, als es die digitalen Kartensammlungen waren. Um diese Daten zu nutzen, setzt er ein Geographisches Informationssystem (GIS) ein, und zwar Global Mapper. Als Infografiker schätzt er die Bedienungsfreundlichkeit dieses Programms. Die Verarbeitung der Daten mit Global Mapper ist jedoch nur ein Zwischenschritt. Sein Ziel ist eine saubere AI-Datei. Als grafisches Zusatzelement zur Locator Map setzt er manchmal einen kleinen Globus ein und zeigt auch gleich, wie man "quick and dirty" eine Weltkarte auf einen kreiselnden Halbkreis überträgt, ihn mit etwas Licht versetzt und schon einen effektvollen Zusatz zu seiner Karte erhält.

 

 

Als Nächstes beleuchtet Stefan Hartmann das Thema Big Data. Vor fünfeinhalb Jahren war dies noch kein Thema für ihn. Der Ausgangspunkt für die Kartendarstellung, die er uns jetzt vorstellt, ist ein PDF mit Tabellen zum Thema Brandanschläge in Flüchtlingsheimen in Deutschland. Aus diesen Tabellen ergeben sich 570 Punkte (Anschläge) an 85 Orten. Um diese nicht per Hand in eine Karte eintragen zu müssen, hat er für sich einen Workaround entwickelt und auf diese Datenreise nimmt er uns mit. Es mag zunächst recht umständlich erscheinen, aber es ist doch schneller als die Variante per Hand und außerdem machen solche Tüfteleien Stefan Hartmann große Freude. Step by Step geht es also weiter. Als Erstes erfolgt die Umwandlung des PDFs in eine Excel-Tabelle, dann ermittelt er mit Hilfe der Excel-Funktion Pivot-Tabelle die Orte mit den meisten Anschlägen. Für die Verortung der Städte empfiehlt er die Internetseite Batch Geocoding, hier erhält man die Koordinaten der Orte kostenlos und die Anzahl der zu verarbeitenden Elemente ist unbegrenzt. Mit dem GPS Visualizer erzeugt er danach eine KML-Datei. Diese kann in Global Mapper in einen Shape-File umgewandelt und geöffnet werden. Bei der Umwandlung in ein Shape-File kann auch eine DBF-Datei erzeugt werden und in dieser Datei ergänzt er eine neue Spalte für die Anzahl der Anschläge. Die für die Darstellung benötigten Grenzen der Bundesländer hat er der Website des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie entnommen. In Global Mapper kann er jetzt mit dem Kartenlayout beginnen. In dem gezeigten Beispiel stellt er die Top 50 der Orte mit den meisten Anschlägen durch unterschiedlich große Kreise dar.
In Zusammenhang mit Big Data kommt die Frage nach der Überprüfbarkeit der Grafik auf. Aus der Praxis wird von den Zuhörern berichtet, dass Plausibilitätsprüfung, Stichproben und Kontrolle der Datenaufbereitung genügen, wenn man die Aufgabe der Grafik im Auge behält. Ausschlaggebend ist der publizistische Effekt, wird dieser erreicht, ist die Aufgabe der Grafik hinreichend erfüllt, schließlich handelt es sich um kein wissenschaftliches Werk.

Als Letztes zeigt uns Stefan Hartmann noch die Verarbeitung von Höhendaten. Wie gesagt legt man beim FOCUS Wert auf visuell Imposantes und so kommt er um eine eindrucksvolle Reliefdarstellung nicht herum. Und wieder erklärt Stefan Hartmann Step by Step. Im Internet werden unterschiedlichste Höhendaten angeboten. Er hat sich für einen SRTM-Datensatz entschieden. Diesen, ein Graustufen Tiff, öffnet er in Photoshop. Zunächst sieht man nur ein schwarzes Bild. Durch Veränderung des Tonwertes wird zwar das Relief sichtbar, aber nur schwarzweiß, benötigt wird aber ein RGB-Bild. Hierfür legt er eine neue Ebene an und erstellt einen neuen Kanal. So kann er ein farbiges Relief erstellen, welches er zusätzlich noch ausleuchtet, um die plastische Wirkung zu verstärken. Dass dies auch unter Wasser funktioniert, zeigt er anhand einer Karte vom Nordpol. Diese Karte mapt er dann noch mal eben mit Cinema 4D auf einen Globus und erhält eine eindrucksvolle kartenverwandte Darstellung.

Eine Vielfalt von Programmen und Datenquellen ist an diesem Abend zur Sprache gekommen, auch wie man auf verschlungenen Pfaden zu einem ansprechenden Ziel gelangen kann. In der Diskussion mit den Zuhörern wird deutlich, wie wünschenswert, hilfreich und notwendig eine bessere Verknüpfung der einzelnen Fachgesellschaften wäre, um den komplexen Anforderungen mit weniger Umwegen begegnen zu können.

Text: Claudia Heise / Fotos: Raimar Heber