Bericht vom SND-DACH-Stammtisch in Berlin am 23. Juli

Aufladen – wie funktioniert das?

Unter dem Thema "Batterien aufladen" trafen sich am 23. Juli 21 interessierte Teilnehmer und eine Assistentin beim SND/DACH-Stammtisch im Konferenzraum Tokio der dpa-infografik GmbH in Berlin. Michael Kappeler, Cheffotograph der Deutschen Presse-Agentur GmbH, und der Gastgeber Raimar Heber, Art Direktor bei der dpa-infografik in Berlin und Country Coordinator Germany der SND/DACH, gaben sehr persönliche Tipps für das Aufladen der eigenen "Lebensbatterie".

Auf keinen Fall fotografieren

Der Arbeitsalltag eines Fotografen ist schnell und hektisch. Fotos entstehen in wenigen Augenblicken. In einer Sekunde werden bis zu zwölf Bilder geschossen, eine Bildsequenz dauert vielleicht drei Sekunden, nach zwei Minuten sind die Fotos in der Redaktion, aus dem Bilderstrom werden geeignete Fotos ausgesucht, der Ausschnitt festgelegt, nach einer Minute "Umdrehen" verlassen die Bilder die Redaktion. Von dem Augenblick, in dem der Fotograf abdrückt, über die Verarbeitung im Redaktionssystem bis zur Herausgabe der Bilder vergehen zwei bis drei Minuten.

"Wenn ich ein gutes Foto am Tag mache, ist es ein guter Tag", sagt Michael Kappeler. Er muss seiner Intuition vertrauen können, seinem Gespür für die Entwicklung der jeweiligen Situation. Er sieht sich als Handwerker, nicht als Künstler, "für schöne Fotos sind andere da", sagt er. Ihm ist es wichtig ein Teamplayer zu sein, er verlässt sich darauf, dass die Redaktion die richtigen Bilder heraussucht und die richtigen Ausschnitte wählt und ist froh über diesen objektiveren Blick bei der Auswahl, als er ihn haben könnte. Als visueller Journalist erzählt er Geschichten. Er erstellt die Ware für einen "Großhändler", der für alle Marken und Märkte tätig ist. Der Druck, dass seine Fotos ausgewählt werden, ist hoch.

 

 

Wie schaltet ein Mann ab, dessen Arbeitsalltag daraus besteht, Länder zu bereisen und Fotos zu machen? Wie kann gewöhnlicher Urlaub da noch reizvoll sein? Michael Kappeler fotografiert nicht im Urlaub. Es ist ihm wichtig geworden, die schönen Augenblicke in seinem fotografischen Gedächtnis abzuspeichern, ganz bewusst, um sein Erinnerungsvermögen zu stärken. Er weiß, dass jeder Blick begrenzt ist, einmalig, eigentlich nicht festzuhalten. Er möchte trotzdem die Emotion des Augenblicks maximal festhalten, nur in seinem Kopf, weg von der Wahrnehmung durch die Kamera. So gelingt es ihm, seinen Urlaub wieder als etwas Neues zu empfinden und zu genießen.

Kreativität ohne Beschränkung

Abschalten ist nicht einfach, besonders wenn man wie Raimar Heber am liebsten jeden Tag alle angefangenen Werke zu Ende bringen möchte. Begrenzungen, die seinen Arbeitsalltag prägen, wie Vorgaben zu Format, Farbwerten und Tools, sucht er in seiner Freizeit zu entkommen. Die Suche nach einer Spielwiese außerhalb der Infografik hat Raimar Heber zur Seidenmalerei geführt. Auch wenn es für andere so aussieht, als ob er auch in seiner Freizeit zielgerichtet arbeitet, empfindet er das ganz anders. Ein befriedigendes Freizeitprojekt von ihm, war die Erstellung von zwölf "Seidenbahnen", auf denen er die einzelnen Sternzeichen thematisch aufgriff. Für ihn ist das ganz anders als seine Arbeit, weil er durch den Stoff und die Farben ein ganz anderes haptisches Erlebnis hat, als es seinem Alltag am Computer entspricht. Hier kann man Riechen und Spüren und nichts korrigieren. Der Arbeitsablauf lässt sich so planen, dass man am Abend zu einem Abschluss kommt. Abhaken und das am besten jeden Abend, ist für Raimar Heber erfüllend. Ein Projekt nur für sich, eine Belohnung für das Leben, dass er sonst führt, so lädt er seine Batterien auf. Kein Styleguide, keine Beschränkungen, keine wirtschaftliche Finalität.

Gefühlshygiene

In der Diskussion der Teilnehmer ist man sich nicht einig. Ist die Trennung zwischen "Berufswelt" und "anderen Welten" wichtig oder nicht? Die Teilnehmer scheinen diese Frage in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedlich zu bewerten. Wie überlebe ich in meiner Lebenswirklichkeit? Kann ich mir selbst helfen, bin ich vielleicht auch für andere verantwortlich? Wie bleibe ich gesund und leistungsfähig? Bewegung, Natur und Kreativität spielen für die meisten eine Rolle. Was bei dem Einzelnen wirkt, muss selbst herausgefunden werden, ein Ziel, das sich lohnt.

Claudia Heise