Bericht vom SND-DACH-Stammtisch in Berlin am 24. September

Braucht ein Bild einen Rahmen?

Ja, sagt Volkmar E. Broszat. Und wehe, es ist der falsche! Der Rahmenbauer erklärte dem SND/DACH-Stammtisch in seiner Kunstwerkstatt in Berlin Charlottenburg auch, warum.

Ein Rahmen ist eine ernste Sache. Zumindest ist der richtige Rahmen keine beliebige Sache. Das hat Volkmar E. Broszat in seiner Werkstatt nicht nur gesagt, sondern gezeigt. Ganz klar war plötzlich, dass ein Bild auch einen falschen Rahmen haben kann. Gerade dann kann die Sache aber doch recht lustig werden.


Die Kunstwerkstatt von Broszat ist selbst wie ein Rahmen – für die Handwerkskunst, die darin gemacht und ausgestellt wird. Der Beratungsraum vorne ist groß und offen, ein hölzerner Türrahmen führt dann in die Werkstatt und nach hinten in einen schmalen Korridor. Überall hängen und lehnen Rahmen. Von den Wänden dringen sie in den Raum hinein und nehmen sich gleichzeitig zurück – weil sie ja keinen Inhalt haben.
 
Genau diese Zurückhaltung der Rahmen ist das Geschäft von Broszat. Denn sein Credo ist: Der Rahmen darf sich nicht aufdrängen. Das Bild ist das Wichtige. Darauf muss der Blick ruhen und wandern können. Ist der Rahmen der Aufreger, ist es der falsche.
 
Dafür hat der Rahmenbauer ein Paradebeispiel vorbereitet. Ein Bild von sich neigenden Gebäuden, in Pastelltönen. Sachte sind die Farben gehalten und doch penetrant – gerahmt von einem silbrig marmorierten Rahmen, noch einmal gerahmt von kleinteiligen Karos in Blau und Weiß. Too much, eindeutig – einerseits. "Das ist toll", ruft andererseits Raimar Heber.
 
Der Grafiker und Künstler und der Rahmenbauer sind sich nicht ganz einig, so scheint es: ob die Kunst im Bild endet – oder der Rahmen noch eins drauf setzen darf. Broszat will allein das Bild stützen und sagt: "Ich bin doch nicht der Künstler!" Raimar Heber will den Rahmen kaufen.
 
Und er könnte Glück haben, denn Broszat hatte seinen Kunden ohnehin schon von seinem Vorschlag überzeugt: Einen schmalen, einfarbigen Rahmen mit Schattenfuge soll das Pastell-Bild bekommen.
 
Der Diplom-Chemiker Broszat zeigt es Schritt für Schritt. Zeigt Bilder ohne Rahmen. Mit falschen Rahmen. Und mit dem richtigen. "Hier ist noch niemand rausgegangen, der nicht meine Idee mitgenommen hat", sagt Broszat. Er ist auch von sich überzeugt. Überreden aber wolle er niemanden, sagt er. Vom Stammtisch übrigens lässt einer gleich noch eine Aquarellzeichnung da. Er ist überzeugt.

Text: Sophie Rohrmeier