Bericht vom SND-DACH-Stammtisch in Berlin am 28. Januar

Nichts wird dem Zufall überlassen - im besten Fall

Passend zum Leitbild der Society for News Design, hohe Qualitätsstandards im visuellen Journalismus zu fördern, hielt die Web- und UX-Designerin Kathrin Hildebrandt einen hochinformativen Vortrag zu den Themen „User Experience Design“ und „Usability“. Die Veranstaltung fand am Mittwoch, den 28. Januar 2015, im Rahmen des SND-Kreativ-Stammtischs Berlin statt. Neben dem Gastgeber, Dr. Raimar Heber, Art Director der dpa-infografik und der Referentin gab es 16 weitere interessierte Teilnehmer.

 

 

Die Ausführungen von Frau Hildebrandt machten deutlich, dass sie ohne Kompromisse den User im Blick hat. Dies klingt selbstverständlich, dennoch scheint benutzerzentriertes Gestalten nicht überall Praxis zu sein, wie sie anhand von Beispielen zeigte. Ziel ist es, die richtige Nutzergruppe anzusprechen und sie nicht zu verlieren. Der Einstieg soll einladend sein. User sind ungeduldig, treffen nicht immer die beste Wahl und entscheiden sich innerhalb von Sekunden. Ein System kann die Intuition der Nutzer ansprechen oder gelerntes Verhalten. User wollen Unterstützung, keine Verwirrung. Ihr Interesse und Vertrauen muss errungen werden. Was dem Nutzer dient, steht im Fokus, allerdings sollte das finale Gestalten den Designern überlassen bleiben, wie sie betonte.
Funktioniert es nur oder ist der User schon glücklich? Frau Hildebrandt ging auch auf den Unterschied zwischen „User Experience (UX) Design“ und „Usability“ ein. „Usability“ ist notwendig, „User Experience (UX) Design“ ist mehr. Bei „UX“ reicht es nicht, dass das System funktioniert. Der User soll glücklich sein bei der Anwendung, er soll sich wohlfühlen, das System soll ihm begehrenswert und wertvoll erscheinen.

Woher weiß ich, wie der Nutzer tickt? Frau Hildebrandt stellte ausführlich Testverfahren vor, die diese Frage anhand wissenschaftlicher Methoden beantworten sollen. Qualitätskontrolle und -sicherung sind unabdingbar beim benutzerzentrierten Gestalten und diese kommen Nutzern und Anbietern zugute. Bemerkenswert ist die relativ geringe Anzahl von Testpersonen, nämlich fünf Personen, die notwendig sind, um 80 % der Probleme eines Systems zu erkennen. Dies gilt für Testverfahren, die eine intensive Analyse des Verhaltens der Testpersonen ermöglichen. Diese sind personal-, zeit- und kostenintensiv. Diesen Labortests vor Ort stehen Remote Tests gegenüber, welche online durchgeführt werden und weniger aufwendig sind.

Auch wenn man nicht gern darüber spricht: „User Experience (UX) Design“ und „Usability“ sind intensiv und langwierig. Das kostet Geld und dies gibt man nur aus, wenn man vom Nutzen überzeugt ist. Das Thema ist in Deutschland angekommen, aber noch nicht überall. Die interessante und breit gefächerte Ausarbeitung der Referentin hat es, wie Herr Heber formulierte, den Teilnehmern ermöglicht, sich ihre eigenen Rosinen herauszupicken.

Text: Claudia Heise / Fotos: Raimar Heber