Die Krise als Chance: Amerikanische Zeitungen nutzen Redesigns als Ausweg

Auffallend ist, dass in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr bis heute sich ungleich viele Zeitungen mit einem Redesign neu präsentiert haben. Und das, obwohl die amerikanische Zeitungsbranche in dieser Spanne eine der schwersten finanziellen Einbrüche seit Jahrzehnten durchlebt. Woher kommt es also, das gerade zu Krisenzeiten eine so starke visuelle Umgestaltung bei so vielen Blättern festzustellen ist?
Zum einen werden gerade in schwierigen Phasen die Arbeitsabläufe kritisch untersucht. Mutige Schritte und Gedanken, wie das Hinterfragen der unantastbaren »heiligen Kühe«, sind angebracht. Durch innovative Ideen ergeben sich neue redaktionelle Arbeitsweisen und neue journalistische Darbietungsmöglichkeiten. Das wiederum, gepaart mit neuen Redaktionsprogrammen und Layouttechniken, ergibt die Präsentation eines modernen Designs.
Zum anderen folgt durch das Aufkommen neuer Informationsquellen, wie das Internet oder der Gebrauch mobiler Empfangsgeräte, eine Gewohnheitsänderung bei der Leserschaft. Was aber kein Hindernis darstellt, die Vorteile dieser Medien zu nutzen und das crossmediale Angebot stärker auszubauen. Erkannt wird außerdem, dass der Konsument bei Print nach wie vor die Qualität von ausführlich recherchierten und verbindlichen Texten, welche durch eine langjährige Kultur der Lesetypografie dargeboten werden, schätzt.
Klar ist, dass Design allein die wirtschaftlichen Probleme nicht lösen kann, muss es aber auch nicht. Seine Aufgabe ist viel mehr, die Produkte visuell so zu verbessern, dass neue Leserschaften erschlossen werden. Eine neu überarbeitete Zeitung muss so erscheinen, dass die Leser einfach nicht an ihr vorbei kommen. Ihr neues Erscheinungsbild soll ihre individuelle Identität fördern, gleichzeitig überraschen und Neugierde erwecken.
Es besteht also auch hierzulande die Chance, von den neuen Gegebenheiten zu profitieren – ebenso aber auch die Gefahr Kunden zu verlieren, wenn man sich dem Markt nicht neu präsentiert.
Warum also die Produkte von täglicher Ausgabe über Beilagen bis Anzeigenblatt nicht wieder stark positionieren – den amerikanischen Beispielen »Chicago Tribune«, »Los Angeles Times«, »Sun Sentinel« aus Fort Lauderdale oder »Orlando Sentinel«, um nur einige zu nennen, folgend.

 

Gaudenz Bock, Jahrgang ’71, arbeitet national wie international als Designer und Zeitungslayouter.
Er ist Mitglied der Society for News Design (www.snd.org), welche seit 2001 auch einen
deutschen Ableger (www.snd-dach.de) hat. Mit dem grafischen Team der »Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung« gewann er den 29. World’s Best-Designed Newspapers Award.

Kontakt: gaudenz_bock@mepromuc.de