Orange Competition

Syracuse, die Universitätsstadt im äussersten Nordwesten des US-Staates New York, wird mir als orange Stadt im Gedächtnis bleiben: Schirmmützen, Kapuzenpullover, Kaffeebecher – alle in der Vereinsfarbe des Basketballteams, der Attraktion dieser Region. Und nicht nur die Studenten, auch die Verantwortlichen des Wettbewerbs zeigen sich in diesen sechs spannenden Tage im apfelsinenfarbenen Outfit. So ist es nur konsequent, dass sich auch die SND-Website in Orange präsentiert. 

 

DREIHUNDERTDREIUNDVIERZIG

Wettbewerbsdirektor Marshall Matlock begrüsst die Juroren: ausser mir stehen John Delknap aus London, Christopher Winner aus Rom und Tim Goheen aus Washington bereit. Uns erwarten 343 Zeitungen aus der ganzen Welt. Sie werden aus – natürlich orangen – Umschlägen gezogen und konkurrieren nun um unsere Aufmerksamkeit. Jetzt kommen endlich weitere Farben ins Spiel: Zeitungsausgaben in unterschiedlichen Farbgebungen, aber auch verschiedene Formate und Schriftbilder. Die Zeitungen, die ein Juror in der nächsten Runde sehen und diskutieren möchte, werden auf den Umschlägen per Sticker markiert. Haben zwei Juroren die gleiche Zeitung ausgewählt, bleibt diese im Rennen.

Wir sind in Klausur, arbeiten wie Astronauten im All, abgeschirmt, konzentriert, und doch unter ständiger Beobachtung der Webcam. Wer unsere Arbeit verfolgen will, muss ins Internet. Dort finden sich auch Videos mit Kurzinterviews, die WebEditor Steve Dorsey ins Netz gestellt hat. Schwarzweissfotos dokumentieren die Teamarbeit an der grossen Tischrunde.

Schritt für Schritt, Umschlag für Umschlag nähern wir uns dem Ziel, der Wahl der "schönsten Zeitung des Jahres 2007".

 

ACHTUNDVIERZIG

Am nächsten Tag ist der Stapel der Zeitungsumschläge deutlich kleiner geworden. 48 Zeitungen haben den Weg in die zweite Runde geschafft. Assistant Shamus Walker breitet diese vor uns auf dem grossen Arbeitstisch aus. Wir suchen und finden gute Gründe für das, was jede Zeitung auszeichnet. In dieser Runde braucht es drei Fürsprecher für ein Weiterkommen. Wir notieren, argumentieren, stimmen schliesslich ab. Auch die Internetpräsenz des Wettbewerbs zeigt inzwischen Wirkung. Zeitungsgestalter aus aller Welt kommentieren die Berichterstattung,Steve Dorsey antwortet ihnen direkt aus dem Juryraum.

 

SECHS

Sechs Zeitungen sind im Finale. Ihre Unterschiedlichkeit macht uns die Entscheidung schwer. Wie kann man Zeitungen vergleichen, die unter so unterschiedlichen Voraussetzungen gestaltet und produziert werden? Kann man einen "David" mit einem "Goliath" vergleichen? Es wird viel diskutiert. Schliesslich eine erste Entscheidung: Es wird nicht einen, sondern mehrere Sieger geben.

Die Spannung ist auf dem Höhepunkt. Alle Argumente sind ausgetauscht, ausdiskutiert worden. Marshall Matlock verteilt Wahlzettel. Jetzt gibt es nur noch "Yes" oder "No", ein Sieger muss nun einstimmig gewählt sein. Ruhe, Konzentration, aber auch Sicherheit in der Entscheidung.

Die Wahlzettel werden laut vorgelesen. Vier Zeitungen stehen als Sieger fest!

 

VIER

Dieser Tag dient der gemeinsam formulierten Begründung unserer Entscheidung. Es wird aufgeschrieben, aufgesprochen, gefilmt. Der Videojournalist Zach Wise ist angereist, er dokumentiert den Prozess, sammelt Material für ein Abschlussvideo. Shamus Walker bereitet die ausgewählten Beispielseiten zur Dokumentation für den Jahresband und die Ausstellung vor. Die Namen der Sieger werden schliesslich über die Website verkündet.

Wir, die vier Juroren, sind glücklich über unsere Arbeit und das Ergebnis. Mit guten Gefühlen und schönen Erinnerungen werden wir am nächsten Tag wieder nach Hause reisen.

P.S.: Das Abschlussvideo wird im September 2008 in Las Vegas beim Jahrestreffen des SND gezeigt. Die Vertreter der "Best Designed Newspaper" werden dort sein und ihre Preise stolz entgegennehmen. 

MICHAEL ADAMS