SND-DACH Jahrestreffen 2007 in Basel

Fussball ist unser Leben, Fussball regiert die Welt
Das Programm des snd-Jahrestreffen unter dem Vorzeichen der EURO 2008
 
"Das Runde muss ins Eckige".
(Alt-Bundestrainer Jupp Derwall) 
Diese einfache, aber eindeutige Fussballweisheit weist auf das Schwerpunktthema dieses snd-Jahrestreffens hin: Im Hinblick auf die Fussball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz werden viele Zeitungen sich inhaltlich und optisch auf dieses Grossereignis vorbereiten (müssen). Hier sind alle Mitspieler einer Redaktionsmannschaft gefordert: Redakteure, Bildredakteure, Fotografen, Infografiker und nicht zuletzt die Gestalter. Also ein gelungener Anlass, die fachliche Breite der snd-Mitglieder und -freunde mit einem weiten Programm zu bedienen.
Dies beginnt im Zusammenspiel der Schriften. Runde geschwungene Antiqua-Linien erzielen beim Leser andere Eindrücke als eckige Fraktur-Formen. Über typografische Trends und den emotionalen Ausdruck von Schriften referierten Otmar Höfer von Linotype und der Typograf und Psychologe Andreas Gutschi aus Wien. 
 
 
 
 
"Nach dem Spiel ist vor dem Spiel."
(Alt-Bundestrainer Sepp Herberger)
 Vorbereitungen auf die nächste Partie können nie früh genug begonnen werden. Und es lohnt sich, aus den Erfahrungen des letzten Spiels wichtige Schlüsse zu ziehen.
Entsprechend wertvoll waren die Ausführungen von Raimar Heber in seinem Vortrag "dpa und die WM 2006 in Deutschland – Eine Nachlese".  Der dpa-Chefgrafiker beschrieb Hoffnungen und Ergebnisse im Doppelpass zwischen Agentur und den Zeitungsredaktionen: Welche Produkte sind durchgefallen? Welche Produkte haben Geld gebracht? Wie lief die Zusammenarbeit mit den Medien?
 
 
 
"Ja, Statistiken. Aber welche Statistik stimmt schon? Nach der Statistik ist jeder 4. Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit."
(Radio- und Fernsehkommentator Werner Hansch)
Die Bedeutung von Infografiken ist nicht zu unterschätzen. In der Berichterstattung über Fussballspiele kann man heute nicht mehr auf sie verzichten. Wie lassen sich nun dokumentierendes Zahlenwerk in einem gelungen Spielzug mit ansprechender Visualisierung kombinieren?
Die Schule für Gestaltung Basel führte unter der Leitung von den Dozenten Lukas Zürcher, Anne-Christine Krämer, Christian Stauffenegger und Thomas Petraschke ein zweiteiliges Projekt mit dem snd-DACH und der Basler Zeitung durch. In einer dreiwöchigen Sommerschule gestalteten 20 Schüler/Innen zunächst in drei Aufgabenstellungen Infografiken für die Euro 2008. 
Und zum Semesterstart im Herbst wurden in einer weiteren Aufgabe halbseitige Visualisierungen von Themen aus der Fussballwelt entworfen. Wie lassen sich zum Beispiel Begriffe wie "Gerechtigkeit", "Gewaltbereitschaft", "Nationalhymne" oder auch "Ernährung" in ansprechenden Illustrationen darstellen. Am snd-Jahrestreffen konnten die spannenden und innovativen Ergebnisse präsentiert werden. Die anwesenden Fachleute aus der Zeitungswelt nutzten die Gelegenheit zur professionellen Kritik. Dieser Programmpunkt dokumentiert, dass die Nachwuchsförderung als wichtiger Bestandteil des snd- Profils zählt.
 
 
 
"Wir müssen gewinnen. Alles andere ist primär."
(Hans Krankl, österreichisches Stürmeridol)
Mit harten Bandagen kämpfen viele Zeitungen um die Gunst der Leser am Wochenende. Allein in der Schweiz bieten die Verleger fünf unterschiedliche Modelle an: Tageszeitung am Werktag plus siebte Ausgabe. Tageszeitung am Werktag plus eigenständige Sonntagszeitung. Tageszeitung am Werktag plus verstärkte Samstagausgabe. Tageszeitung am Werktag plus Wochenendmagazin. Selbständiges Sonntagsgratisausgabe. Die Schweizer Medienlandschaft wird immer variantenreicher und unübersichtlicher. Unterschiedliche Inhalte sollen unterschiedliche Leserbedürfnisse befriedigen. Was und wen wollen die Zeitungen erreichen? Was will der Leser überhaupt lesen?
Dies war das Thema der öffentlichen Podiumsdiskussion, an der sich Chefredaktoren von vier Schweizer Zeitungen diesen Fragen stellten.
Die Moderation übernahm Christian Mensch von der Basler Zeitung als ausgezeichneter Kenner der Schweizer Medienszene.
 
 

"Ich habe ihn nur leicht retouchiert."
(Olaf Thon, FC Schalke 04)
Im Anschluss führte Art Director Michael Adams die Teilnehmer durch die Redaktion und erläuterte anhand der gerade entstehenden Samstagsausgabe die grafischen Vorgaben und Produktionsbedingungen der Basler Zeitung.
 
 
"Bei uns wird auf dem Platz zu wenig gesprochen. Das könnte an der Kommunikation liegen." 
(Alt-Teamchef Erich Ribbeck)
Im Basler Restaurant "Aeschenplatz" gab es danach ausreichend Gelegenheit, sich kennenzulernen und auszutauschen.   
 
 
"Damals hat die halbe Nation hinter dem Fernseher gestanden." 
(Alt-Teamchef Franz Beckenbauer über das WM-Finale 1990)
Der Samstagmorgen lockte die Teilnehmer zur Ausstellungsvernissage "The Best of News-Design" in die Räume der Basler Schule für Gestaltung. Die Exponate der Sieger des weltweiten snd-Wettbewerbes 2006 sorgten dort für einen regen Austausch vor den Vitrinen. Die enorme Vielfalt gestalterischer Formen im Zeitungsdesign demonstrierte wieder einmal, dass für das Medium Zeitung noch lange nicht die 90. Minute angebrochen ist.
 
 
 
MICHAEL ADAMS
 
Fotos: Detlev Scheerbarth; Henry Muchenberger (Ansicht Basel)